Reblum Retouch gehört zu den spannenderen Werkzeugen für Fotografen, die viele Portraits, Fashion-Sets, Lookbooks oder Hochzeiten bearbeiten müssen. Das Programm war bisher vor allem für schnelle, natürliche Hautretusche bekannt. Mit Version 1.5 wird der Funktionsumfang deutlich erweitert.
Die neue Version wurde in einem aktuellen Praxisvideo bereits als Beta gezeigt. Das ist wichtig, weil sich einzelne Funktionen oder die Oberfläche bis zur finalen Veröffentlichung noch ändern können. Trotzdem lässt sich schon gut erkennen, wohin die Reise geht: Reblum soll nicht mehr nur Haut glätten, sondern mehrere typische Retusche-Schritte in einem schnellen Workflow bündeln.
Hautretusche bleibt der Kern
Reblum ersetzt keine gute manuelle Retusche, nimmt Fotografen aber einen großen Teil der langweiligen Fleißarbeit ab. Das Programm analysiert die Haut, entfernt kleinere Unreinheiten und versucht dabei, die natürliche Struktur zu erhalten.
Genau hier liegt auch weiterhin die Stärke der Software. Die Ergebnisse wirken im Video meistens angenehm zurückhaltend, solange man die Regler nicht zu weit aufdreht. Besonders im Natural-Modus bleibt die Haut noch glaubwürdig. Der Fashion-Modus geht sichtbarer in Richtung Beauty-Retusche und sollte entsprechend vorsichtiger eingesetzt werden.
Das ist auch der wichtigste Punkt: Reblum ist kein magischer Alles-besser-Knopf. Wer jeden Regler auf 100 Prozent stellt, bekommt schnell eine zu glatte Haut. Wer es dosiert nutzt, spart aber sehr viel Zeit.
Neue Skin Tone Correction
Eine der wichtigsten Neuerungen ist die Skin Tone Correction. Damit sollen Rötungen, gelbliche Bereiche und ungleichmäßige Hauttöne automatisch ausgeglichen werden, ohne die komplette Farbwirkung des Bildes zu zerstören.
Gerade bei Portraits mit Mischlicht, hellen Hautpartien, Rötungen oder größeren sichtbaren Hautflächen kann das ein sehr praktischer Schritt sein. Im Video wird außerdem gezeigt, dass Reblum nicht nur Gesichter, sondern auch Haut an Armen, Beinen und Körper erkennt und bearbeitet.
Für Fashion, Beauty, Studio-Portraits und Lookbooks ist das deutlich interessanter als eine reine Gesichtsretusche.
Hintergrundreinigung als große Neuerung
Besonders spannend ist die neue Hintergrundreinigung. Im Video wird Reblum an weißen Studiohintergründen getestet, die sichtbare Flecken, Schatten oder Unregelmäßigkeiten haben. Die Software entfernt diese Störungen mit einem Klick erstaunlich schnell.
Das ist für Studiofotografen ein echter Vorteil. Wer regelmäßig auf Papierhintergrund, Stoff, Vinyl oder hellen Flächen arbeitet, kennt das Problem: kleine Flecken, Knicke, Schmutz, Schatten und Übergänge kosten in Photoshop oft unnötig Zeit.
Reblum 1.5 scheint genau diesen Arbeitsschritt stark zu beschleunigen. Interessant ist auch, dass die Software bei komplexeren Hintergründen nicht einfach alles glattbügelt. In einem Test mit Projektor beziehungsweise Hintergrundelementen wurde der Look weitgehend erhalten.
Glanzreduzierung auf der Haut
Ebenfalls neu gezeigt wird eine Funktion zur Reduzierung von Hautglanz. Das ist besonders bei LED-Licht, stärkerem Studiolicht oder leicht schwitzender Haut nützlich.
Im Video wird die Funktion an einem männlichen Portrait demonstriert. Der Glanz auf der Haut wird reduziert, ohne dass Bart oder Gesicht komplett weichgezeichnet werden. Genau das ist entscheidend. Eine gute Glanzkorrektur darf nicht wie ein matter Weichzeichner aussehen.
Auch hier gilt: vorsichtig dosieren. Kleine Korrekturen wirken überzeugend, zu starke Eingriffe können schnell künstlich aussehen.
Mehrere Personen getrennt bearbeiten
Eine weitere praktische Neuerung ist die getrennte Bearbeitung mehrerer Personen im selben Bild. Reblum erkennt verschiedene Gesichter und erlaubt es, einzelne Personen separat auszuwählen.
Das ist für Paarshootings, Gruppenbilder, Fashion-Produktionen und Hochzeiten sehr nützlich. Nicht jede Person im Bild braucht dieselbe Retusche. Unterschiedliche Hauttypen, Make-up, Lichtpositionen oder Glanzstellen lassen sich dadurch gezielter bearbeiten.
Im Video wird außerdem getestet, ob Tätowierungen durch die Hautretusche beschädigt werden. In den gezeigten Beispielen blieben sie erhalten. Das ist wichtig, weil automatische Hautretusche sonst gerne Details angreift, die bewusst Teil des Motivs sind.
RAW-Dateien werden gelesen, JPEG bleibt praktisch
Der Sprecher arbeitet im Video meistens mit JPEGs, testet aber auch eine RAW-Datei. Reblum kann diese offenbar lesen, arbeitet damit aber erwartbar etwas langsamer.
Für den praktischen Workflow bleibt JPEG oder TIFF nach der Grundentwicklung in Lightroom, Capture One oder Photoshop vermutlich weiterhin der sinnvollste Weg. Erst Belichtung, Farbe und Kontrast sauber vorbereiten, dann Reblum für Haut, Glanz und Hintergrund nutzen.
Das passt auch gut zu einem professionellen Workflow: Reblum ist kein Ersatz für Bildentwicklung, sondern ein Werkzeug für schnelle Portrait- und Hautkorrekturen nach der Grundbearbeitung.
Lokale Verarbeitung und keine Credits
Ein großer Vorteil von Reblum bleibt die lokale Verarbeitung. Die Bilder werden auf dem eigenen Rechner bearbeitet und nicht für jeden Export in eine Cloud geschickt.
Das ist nicht nur aus Datenschutzsicht interessant, sondern auch wirtschaftlich. Reblum arbeitet nicht mit einem klassischen Credit-System pro Bild. Gerade bei großen Serien, Hochzeiten, Studiojobs oder Kundenauswahlen ist das ein echter Pluspunkt.
Wer 500 oder 1500 Bilder durch eine erste Retusche schicken möchte, will nicht bei jedem Export an Credits denken.
Einschätzung
Reblum 1.5 wirkt wie ein sehr sinnvolles Update. Die Software bleibt ihrem Kern treu: schnelle, natürliche Hautretusche für Fotografen. Gleichzeitig kommen mit Hintergrundreinigung, Hautglanz-Reduktion, Skin-Tone-Korrektur und separater Personenbearbeitung genau die Funktionen dazu, die im Alltag wirklich Zeit sparen können.
Die wichtigste Einschränkung bleibt dieselbe wie bei jeder KI-Retusche: Man muss den eigenen Geschmack behalten. Reblum kann viel vorbereiten, aber es entscheidet nicht automatisch, was gut aussieht. Zu viel Retusche bleibt zu viel Retusche, auch wenn sie technisch sauber gemacht ist.
Für Portrait-, Fashion-, Studio- und Hochzeitsfotografen ist Reblum 1.5 trotzdem ein Update, das man sich genauer ansehen sollte. Nicht als Ersatz für Retusche-Know-how, sondern als schneller Helfer für große Bildmengen und wiederkehrende Arbeitsschritte.
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