Affinity Photo ist eine professionelle Bildbearbeitungssoftware von Serif und positioniert sich klar als Alternative zu Adobe Photoshop. Das Programm richtet sich an Fotografen, Designer und digitale Künstler, die eine lokale Desktop-Anwendung ohne Abo-Modell suchen. Der Fokus liegt auf klassischer Bildbearbeitung, Compositing, Retusche und Farbkorrektur. AI-Features spielen bisher nur eine untergeordnete Rolle.
Funktionen & Features
Affinity Photo deckt die meisten typischen Aufgaben moderner Bildbearbeitung zuverlässig ab. Dazu gehören RAW-Entwicklung, Ebenenbearbeitung, Maskierung, Frequenztrennung, Dodge & Burn, HDR-Merging, Panorama-Stitching sowie Focus Stacking. Gerade für Fotografen ist interessant, dass viele Funktionen direkt integriert sind und nicht über externe Plugins oder Zusatzmodule nachgerüstet werden müssen.
Die Software arbeitet vollständig non-destruktiv mit Live-Filtern, Anpassungsebenen und Smart-Objekt-ähnlichen Funktionen. Besonders bei Compositings oder komplexeren Retuschen bleibt der Workflow dadurch vergleichsweise flexibel.
Affinity Photo unterstützt PSD-Dateien erstaunlich gut, allerdings nicht fehlerfrei. Einfachere Photoshop-Projekte funktionieren meist problemlos, komplexe Dokumente mit speziellen Effekten, AI-generierten Ebenen oder Adobe-spezifischen Features können dagegen brechen oder falsch dargestellt werden.
Im Bereich AI bleibt Affinity Photo konservativ. Es gibt keine integrierte generative Bildbearbeitung wie in aktuellen Photoshop-Versionen. Auch lokale Modelle, Prompting oder nodebasierte AI-Workflows gehören nicht zum Konzept der Software. Wer regelmäßig mit Stable Diffusion, Flux oder ähnlichen Systemen arbeitet, nutzt Affinity Photo meist eher als Nachbearbeitungswerkzeug statt als zentrale AI-Plattform.
Positiv ist dagegen die Performance. Das Programm startet schnell, reagiert direkt und läuft selbst auf mittelstarker Hardware oft flüssiger als Photoshop. Gerade auf Apple Silicon-Systemen ist die Optimierung sichtbar besser als bei vielen älteren Kreativtools.
Stärken
Der größte Vorteil bleibt das Preismodell. Affinity Photo wird einmal gekauft und nicht gemietet. Gerade für Hobbyfotografen, Freelancer oder kleinere Studios macht das einen erheblichen Unterschied.
Auch die Oberfläche wirkt deutlich aufgeräumter als bei Photoshop. Viele Werkzeuge sind logisch organisiert, ohne dass das Programm gleichzeitig künstlich vereinfacht wird. Wer bereits Erfahrung mit Ebenen-basierten Editoren hat, findet sich meist schnell zurecht.
Die RAW-Entwicklung ist solide, wenn auch nicht auf Lightroom-Niveau. Für viele Nutzer reicht sie dennoch aus, um kleinere Fotoprojekte komplett innerhalb einer einzigen Software zu bearbeiten.
Sehr stark ist außerdem die Integration mit Affinity Designer und Affinity Publisher. Besonders das sogenannte StudioLink-System innerhalb Publisher spart in komplexeren Print- oder Editorial-Projekten Zeit.
Im Retusche-Bereich arbeitet Affinity Photo präzise und direkt. Frequenztrennung, Klonwerkzeuge und Maskierungen fühlen sich eher wie klassische Bildbearbeitung an und weniger wie automatisierte One-Click-Lösungen. Das dürfte vielen Fotografen sogar lieber sein.
Schwächen
Die größte Schwäche ist gleichzeitig der größte Unterschied zu Photoshop: fehlende moderne AI-Integration.
Während Photoshop inzwischen stark auf generative Bearbeitung, automatische Freistellung, intelligente Erweiterung und Cloud-Funktionen setzt, bleibt Affinity Photo technisch deutlich konservativer. Wer AI intensiv produktiv nutzt, merkt schnell, dass viele moderne Workflows schlicht fehlen.
Auch das Ökosystem ist wesentlich kleiner. Es gibt weniger Plugins, weniger Tutorials für Spezialfälle und deutlich weniger Drittanbieter-Unterstützung. Manche professionelle Workflows setzen faktisch weiterhin Adobe voraus.
Die PSD-Kompatibilität ist besser als früher, aber nicht vollständig verlässlich. Gerade bei Kundenprojekten oder Agentur-Workflows kann das problematisch werden.
Teilweise wirkt die Software außerdem überraschend inkonsistent. Manche Funktionen sind hervorragend optimiert, andere eher sperrig oder altmodisch. Das betrifft vor allem größere Dokumente mit vielen Ebenen oder bestimmte Auswahlwerkzeuge.
Kritik gibt es außerdem regelmäßig an der Entwicklungs-Geschwindigkeit. Serif veröffentlicht zwar Updates, aber viele Nutzer warten seit Jahren auf bestimmte Funktionen oder Workflow-Verbesserungen. Im direkten Vergleich entwickelt sich Photoshop deutlich aggressiver weiter.
Für wen ist das Tool geeignet?
Affinity Photo eignet sich sehr gut für Fotografen, Content Creator und Designer, die klassische Bildbearbeitung ohne laufende Kosten möchten. Besonders Einzelpersonen oder kleinere Kreativprojekte profitieren vom klaren Lizenzmodell.
Auch digitale Künstler, die hauptsächlich manuell arbeiten und keine generative AI im Zentrum ihres Workflows haben, bekommen hier ein sehr fähiges Werkzeug.
Weniger geeignet ist die Software für professionelle Produktionsumgebungen mit starkem Adobe-Fokus. Wer regelmäßig PSD-Dateien austauscht, mit Agenturen arbeitet oder moderne AI-Workflows erwartet, stößt relativ schnell an Grenzen.
Für reine AI-Artists ist Affinity Photo ebenfalls eher Ergänzung als Hauptwerkzeug. Die Software eignet sich gut zur Nachbearbeitung generierter Bilder, aber kaum als AI-Zentrale.
Einordnung im Markt
Affinity Photo sitzt momentan zwischen klassischen Bildbearbeitungsprogrammen und modernen AI-orientierten Kreativplattformen. Gegen Photoshop gewinnt es vor allem über Preis, Geschwindigkeit und Übersichtlichkeit. Gegen moderne AI-Tools verliert es dagegen klar bei Automatisierung und Zukunftsfunktionen.
Im Vergleich zu kostenlosen Alternativen wie GIMP wirkt Affinity deutlich professioneller und konsistenter. Gegenüber Photoshop fehlt jedoch weiterhin ein Teil der industriellen Infrastruktur, die viele professionelle Pipelines heute voraussetzen.
Dadurch entsteht eine interessante Position: Affinity Photo ist für viele Einzelanwender wahrscheinlich die vernünftigere Software, aber nicht automatisch die mächtigere.
Fazit
Affinity Photo ist eine der wenigen ernsthaften Photoshop-Alternativen, die nicht wie ein Kompromiss wirken. Das Programm ist schnell, technisch sauber aufgebaut und für klassische Bildbearbeitung absolut professionell nutzbar.
Gleichzeitig merkt man deutlich, dass Serif einen anderen Weg verfolgt als Adobe. Während Photoshop zunehmend AI-zentriert und cloudabhängig wird, bleibt Affinity Photo eher ein modernes Werkzeug für traditionelle Desktop-Bildbearbeitung.
Das ist gleichzeitig Stärke und Schwäche.
Wer bewusst unabhängig von Adobe arbeiten möchte und keine generative AI im Zentrum seines Workflows benötigt, bekommt hier wahrscheinlich das beste Gesamtpaket außerhalb des Adobe-Ökosystems.
Wer dagegen moderne AI-Features, maximale PSD-Kompatibilität oder etablierte Industrie-Standards benötigt, wird langfristig kaum komplett auf Photoshop verzichten können.
Kurz zusammengefasst
Sehr starke Photoshop-Alternative ohne Abo-Modell
Schnelle und saubere Desktop-Performance
Gute Retusche- und Compositing-Werkzeuge
Schwache AI-Integration im Vergleich zu Photoshop
Für klassische Bildbearbeitung deutlich stärker als viele kostenlose Alternativen
In unserer Community diskutieren