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LAP

LAP ist ein Open-Source-Foto-Manager für Windows, macOS und Linux mit Fokus auf lokale Medienbibliotheken. Das Tool kombiniert klassische Bildverwaltung mit lokalen AI-Funktionen wie Gesichtserkennung, semantischer Suche und ähnlichkeitssensitiver Bildsuche. Statt Cloud-Synchronisation setzt LAP bewusst auf „offline first“: Die Daten bleiben auf der eigenen Platte, inklusive AI-Verarbeitung. Technisch wirkt das Projekt stark auf große private Archive und Power-User ausgelegt – weniger auf Casual-User oder klassische Lightroom-Fotografen.  

Funktionen & Features

LAP arbeitet folder-first. Bedeutet: Die Software zwingt keine Importstruktur auf, sondern arbeitet direkt mit bestehenden Ordnern. Das ist gerade für Fotografen interessant, die bereits saubere NAS- oder Archivstrukturen besitzen und nicht wieder in ein proprietäres Bibliothekssystem wechseln wollen.  

Unterstützt werden neben normalen Bildformaten auch viele RAW-Formate wie ARW, CR2, NEF oder DNG. Dazu kommen moderne Formate wie AVIF, HEIC oder JPEG XL. Selbst größere Videoformate lassen sich verwalten und durchsuchen.  

Die AI-Seite ist der eigentliche Kern des Projekts. LAP nutzt lokale Modelle über ONNX Runtime und integriert unter anderem CLIP für Bild-Text-Suche sowie InsightFace für Gesichtserkennung und Clustering. Dadurch lassen sich Bibliotheken semantisch durchsuchen, etwa nach Motiven, Farben oder ähnlichen Bildern. Das Ganze läuft lokal, ohne externe Server.  

Interessant ist auch die Similar-Image-Suche. Gerade bei AI-Artists oder Fotografen mit Serienaufnahmen kann das hilfreich sein, um Dubletten oder nahezu identische Varianten zu finden.

Dazu kommen Basics wie:

  • Ratings und Favoriten

  • Kartenansicht für Geotags

  • Metadatenfilter

  • Duplicate Detection

  • einfache Bildbearbeitung direkt im Tool

  • Multi-Library-Support

Was LAP aktuell nicht bietet: eine echte professionelle RAW-Entwicklung oder komplexe Farb-Workflows. Die eingebauten Bearbeitungsfunktionen bleiben eher utilitaristisch.

Stärken

Der größte Vorteil ist die lokale AI-Verarbeitung. Während viele moderne DAM-Systeme inzwischen halb zu Cloud-Diensten geworden sind, bleibt LAP komplett lokal. Gerade für sensible Shootings, Kundenmaterial oder private Archive ist das ein echter Pluspunkt.

Dazu kommt die Offenheit des Systems. Open Source, keine Subscription, keine künstlichen Limits. Für technisch versierte Nutzer wirkt LAP dadurch deutlich transparenter als viele kommerzielle Lösungen.  

Positiv fällt außerdem die Performance bei großen Libraries auf. Laut Projektbeschreibung sind Bibliotheken mit über 100.000 Dateien vorgesehen. Ob das auf jedem System gleich gut funktioniert, hängt natürlich stark von SSD, RAM und CPU ab, aber die Architektur scheint klar auf große Sammlungen ausgelegt zu sein.  

Für AI-Artists ist besonders interessant, dass LAP nicht nur klassische Fotos verwaltet, sondern sich auch gut als Referenz- und Variantenarchiv eignet. Die semantische Suche wirkt hier deutlich sinnvoller als stumpfe Ordnerstrukturen.

Schwächen

LAP ist noch jung und das merkt man an mehreren Stellen.

Die Oberfläche wirkt funktional, aber teilweise roh. Nicht katastrophal, aber klar eher Entwicklerprojekt als auspolierte Commercial-Software. Wer von Lightroom, Capture One oder Eagle kommt, merkt den Unterschied sofort.

Die Gesichtserkennung befindet sich offiziell noch im Beta-Status. Gerade bei größeren Libraries oder schwierigem Material dürfte es also noch Fehlzuordnungen geben.  

Ein weiterer Punkt: Die lokale AI-Verarbeitung braucht Ressourcen. Auf älterer Hardware oder schwächeren Laptops dürfte das schnell unangenehm werden. Das Projekt kommuniziert zwar keine extremen Anforderungen, aber semantische Suche und Face Recognition sind nun einmal keine Leichtgewichte.

Auch die Windows-Situation wirkt aktuell etwas unfertig. Laut GitHub sind die Windows-Builds derzeit nicht signiert, wodurch SmartScreen-Warnungen erscheinen können. Für normale Anwender wirkt das schnell unseriös, selbst wenn technisch alles sauber ist.  

Außerdem fehlen noch einige professionelle Metadaten- und DAM-Funktionen. XMP/IPTC-Unterstützung soll zwar ausgebaut werden, ist aber offenbar noch nicht vollständig umgesetzt. Für professionelle Agentur- oder Publishing-Workflows kann das ein Problem sein.  

Für wen ist das Tool geeignet?

LAP passt gut zu:

  • Fotografen mit großen lokalen Archiven

  • AI-Artists mit tausenden Generationsvarianten

  • technisch versierten Nutzern mit Privacy-Fokus

  • Linux- und Selfhosting-affinen Anwendern

  • Nutzern, die keine Cloud wollen

Weniger geeignet ist es für:

  • klassische Lightroom- oder Capture-One-Workflows

  • Teams mit kollaborativer Medienverwaltung

  • Anwender ohne technisches Grundverständnis

  • Nutzer, die ein komplett poliertes UX-Produkt erwarten

  • professionelle Redaktions- oder Agenturpipelines

Einordnung im Markt

LAP sitzt irgendwo zwischen Eagle, PhotoPrism und einem klassischen lokalen DAM-System.

Im Vergleich zu Eagle wirkt LAP technischer und stärker auf echte Fotoarchive ausgelegt. Eagle ist dafür klar eleganter und angenehmer für kreative Moodboard-Workflows.

Gegenüber PhotoPrism hat LAP den Vorteil einer nativen Desktop-Anwendung statt Browser-Oberfläche. PhotoPrism bleibt dafür im Bereich Server/NAS-Integration stärker.

Adobe Bridge oder Lightroom wirken insgesamt reifer und professioneller integriert, allerdings fehlt dort oft genau das, worauf LAP setzt: lokale AI-Suche ohne Cloud-Abhängigkeit und ohne Abo-Modell.

Gerade deshalb dürfte LAP für viele AI-Artists interessanter sein als klassische Fotosoftware.

Fazit

LAP ist kein Lightroom-Killer und wahrscheinlich will das Projekt das auch gar nicht sein.

Das Tool ist eher eine moderne lokale Medienzentrale für Menschen, deren Bildarchive mittlerweile außer Kontrolle geraten. Genau dort funktioniert LAP überraschend gut: schnelle Suche, AI-gestützte Organisation, lokale Verarbeitung und kein Cloud-Zwang.

Die Schwächen sind offensichtlich. Teilweise unfertige Oberfläche, Beta-Features, noch nicht komplett ausgereifte Metadatenverwaltung. Wer maximale Stabilität und Hochglanz-UX erwartet, wird hier eher skeptisch reagieren.

Trotzdem gehört LAP aktuell zu den interessanteren Open-Source-Projekten im Bereich lokaler Medienverwaltung. Vor allem weil es ein Problem adressiert, das durch AI-Bildgenerierung massiv größer geworden ist: Wie verwaltet man zehntausende Bilder sinnvoll, ohne im Datenmüll zu versinken?

Kurz zusammengefasst
  • Sehr interessant für lokale AI-gestützte Bildverwaltung

  • Keine Cloud, keine Subscription, komplett lokal

  • Gute Such- und Similarity-Funktionen für große Libraries

  • Oberfläche und UX noch klar „Open Source“

  • Für technische Power-User deutlich interessanter als für Casual-Anwender


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