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Lokale KI jetzt in Photoshop

Photoshop 27.7 wirkt auf den ersten Blick wie ein kleines Wartungsupdate. Ein paar Bugfixes, etwas Feinschliff am Remove Tool, ansonsten Business as usual. Tatsächlich könnte Adobe hier aber gerade eine der wichtigsten technischen Änderungen der letzten Jahre vorbereiten — und fast niemand spricht darüber.

Der Grund dafür steckt in einer unscheinbaren neuen Option des Entfernen-Werkzeugs: „Device Generative Processing“.

Was nach einem typischen Adobe-Menüpunkt klingt, bedeutet in der Praxis etwas deutlich Größeres. Photoshop lädt erstmals ein lokales KI-Modell auf den eigenen Rechner herunter und führt generative Bearbeitungen direkt auf dem Gerät aus — ohne permanente Cloud-Verbindung.

Konkret betrifft das aktuell nur das Remove Tool. Also das Entfernen von Objekten, störenden Elementen oder Personen im Bild. Statt wie bisher ausschließlich über die Firefly-Cloud zu arbeiten, kann Photoshop jetzt ein lokales Modell verwenden, das ungefähr fünf Gigabyte groß ist.

Das klingt zunächst unspektakulär. Tatsächlich ist es aber ein klarer Strategiewechsel.

Adobe hat seine generativen Funktionen bislang fast vollständig an die Cloud gebunden. Generative Fill, Firefly und viele moderne KI-Werkzeuge analysieren Bilder serverseitig. Das bringt einige bekannte Probleme mit sich: Wartezeiten, Datenschutz-Fragen, Abhängigkeit vom Internet und vor allem die inzwischen berüchtigten Content-Filter.

Gerade beim Remove Tool war das oft absurd. Viele Nutzer berichten seit Monaten von Situationen, in denen harmlose Retuschen plötzlich wegen „Community Guidelines“ blockiert wurden. Hautbereiche, dunkle Fashion-Shootings, Horror-Art, Latex-Outfits oder Kunstblut reichen teilweise schon aus, damit Photoshop die Bearbeitung verweigert.

Deshalb arbeiten viele inzwischen bewusst mit deaktivierter generativer KI im Remove Tool. Die klassische Variante wirkt oft stabiler, berechenbarer und vor allem weniger bevormundend.

Genau hier könnte das neue lokale Modell interessant werden.

Denn sobald die Verarbeitung direkt auf dem Gerät stattfindet, entfällt zumindest ein Teil der bisherigen Cloud-Pipeline. Bilder müssen nicht permanent an Adobe übertragen werden, die Bearbeitung reagiert schneller und theoretisch könnten auch die aggressiven Server-Filter reduziert werden.

Ob Adobe die Moderation komplett lokal nachbildet oder bestimmte Prüfungen weiterhin serverseitig stattfinden, ist aktuell nicht klar. Offiziell sagt Adobe dazu bisher wenig. Trotzdem deutet vieles darauf hin, dass lokale Verarbeitung langfristig deutlich weniger restriktiv sein dürfte als die bisherige Firefly-Cloud.

Noch spannender wird es bei den Hardware-Anforderungen.

Adobe verlangt für den neuen Device-Modus auf macOS mindestens:

  • Apple Silicon ab M1 Pro

  • 24 GB RAM

  • macOS Tahoe 26.4 oder neuer

Normale M4-Macs mit 16 GB RAM fallen aktuell also offiziell heraus — obwohl deren GPU-Leistung für viele lokale KI-Aufgaben eigentlich problemlos ausreichen würde.

Das wirkt weniger wie eine technische Notwendigkeit und eher wie ein vorsichtiger Beta-Rollout. Wahrscheinlich will Adobe vermeiden, dass Photoshop auf kleineren Geräten anfängt zu swappen oder instabil wird. Denkbar ist auch, dass zusätzliche Speicherreserven für mehrere interne Verarbeitungsschritte benötigt werden.

Trotzdem zeigt die Anforderungsliste etwas Wichtiges: Adobe führt hier offenbar tatsächlich ein echtes lokales KI-Modell aus und nicht nur einen simplen Neural Filter.

Und genau deshalb ist Photoshop 27.7 vermutlich deutlich relevanter, als es momentan aussieht.

Denn im Hintergrund baut Adobe gerade still eine lokale AI-Infrastruktur direkt in Photoshop auf. Metal-basierte GPU-Inferenz, lokale Modellverwaltung und hybride Verarbeitung zwischen Cloud und Gerät sind plötzlich keine Theorie mehr.

Das bedeutet noch nicht, dass Photoshop morgen ein offenes Stable-Diffusion-System wird. Davon ist Adobe weit entfernt. Aktuell gibt es:

  • keine eigenen Modelle

  • keine Prompt-Kontrolle

  • keine sichtbaren Seeds

  • keine Parameter

  • keine lokalen Checkpoints

Alles bleibt typisch Adobe: stark vereinfacht, kontrolliert und möglichst unsichtbar für den Nutzer.

Trotzdem erinnert die Richtung inzwischen auffällig stark an das, was lokale SDXL- und Flux-Workflows seit Jahren machen — nur ohne ComfyUI, Nodes oder technische Einstiegshürden.

Im Kern läuft es auf einen simplen Ansatz hinaus:
„Objekt entfernen → funktioniert.“

Und genau das dürfte für viele Fotografen deutlich attraktiver sein als ein komplexer KI-Workflow mit zehn Zusatztools.

Für professionelle Bildbearbeitung wäre das durchaus relevant. Gerade bei Kundenmaterial, sensiblen Shootings oder großen Bildserien kann lokale Verarbeitung echte Vorteile bringen:
weniger Wartezeit, mehr Datenschutz, keine Cloud-Abhängigkeit und potenziell konsistentere Ergebnisse.

Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, ob dieses neue Remove Tool gut funktioniert. Die eigentliche Frage lautet:

Wie viel von Firefly wird Adobe in Zukunft noch lokal ausführen?

Denn falls Adobe diesen Weg weitergeht, könnten langfristig auch andere generative Funktionen folgen — etwa lokale Varianten von Generative Fill, kleinere Spezialmodelle oder hybride Cloud-Device-Workflows.

Photoshop 27.7 könnte sich rückblickend als der Moment herausstellen, in dem Adobe still und leise begonnen hat, echte lokale KI ernsthaft in Photoshop zu integrieren. Nicht mit großem Marketing, sondern versteckt in einem kleinen Update des Entfernen-Werkzeugs.

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