Aftershoot war bisher vor allem als KI-Tool für schnelles Culling bekannt. Mit dem aktuellen Update verändert sich die Ausrichtung der Software jedoch deutlich. Statt nur Bilder zu sortieren oder Bearbeitungen vorzubereiten, will Aftershoot nun den kompletten Workflow abdecken – von der Auswahl über RAW-Entwicklung und Retusche bis hin zur Kundengalerie.
Neu hinzugekommen ist unter anderem ein eigener RAW-Editor direkt innerhalb der Anwendung. Damit entfernt sich Aftershoot erstmals sichtbar von der bisherigen Rolle als Lightroom-Ergänzung. Laut den Entwicklern sollen künftig Funktionen wie Histogramme, Tonkurven und erweiterte Maskierung folgen. Wie ausgereift der neue RAW-Bereich aktuell wirklich ist, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch schwer beurteilen. Erste Hands-on-Berichte sprechen eher von einem frühen Ausbau als von einem vollständigen Lightroom-Ersatz.
Parallel dazu erweitert Aftershoot seine Retusche-Funktionen deutlich. Hautunreinheiten, fliegende Haare oder kleinere Ablenkungen lassen sich nun direkt per KI korrigieren. Auch ein Background-Replacement befindet sich bereits in einer Beta-Phase. Interessant ist dabei vor allem der Ansatz, diese Funktionen lokal auf dem eigenen Rechner auszuführen, anstatt Bilder dauerhaft in eine Cloud hochladen zu müssen.
Zusätzlich startet das Unternehmen mit „Aftershoot Galleries“ einen eigenen Bereich für Bildauslieferung und Kundengalerien. Damit bewegt sich die Software zunehmend in Richtung eines geschlossenen Workflow-Ökosystems, ähnlich wie man es bereits aus anderen Bereichen der Kreativsoftware kennt.
Auch das Preismodell wurde umgestellt. Statt einzelner Funktionen bietet Aftershoot nun modulare Pakete für Auswahl, Bearbeitung und Retusche an. Der Einstieg beginnt aktuell bei rund 10 US-Dollar pro Monat für reines Culling, während das komplette Paket inklusive Editing und Retusche bei etwa 45 US-Dollar monatlich liegt. Nach Angaben des Unternehmens bleibt die Bildanzahl dabei unbegrenzt, ein Credit-System wie bei manchen Konkurrenten kommt derzeit nicht zum Einsatz.
Gerade im Vergleich zu Diensten wie Imagen oder Evoto positioniert sich Aftershoot damit anders. Während viele Konkurrenzprodukte stark auf Cloud-Verarbeitung oder nutzungsabhängige Preise setzen, versucht Aftershoot den kompletten Prozess lokal und mit festen Kosten anzubieten. Für Hochzeits-, Event- und Volumenfotografen dürfte das interessant sein. Ob die Qualität der RAW-Entwicklung und Retusche langfristig mit etablierten Lösungen mithalten kann, wird sich allerdings erst im praktischen Einsatz zeigen.
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