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Warum ON1 gleichzeitig faszinierend und chaotisch wirkt

Wer sich zum ersten Mal mit ON1 beschäftigt, landet meist auf der Website und denkt erst einmal:
„Moment… was genau verkaufen die hier eigentlich?“

Photo RAW, Effects, Resize AI, NoNoise AI, Plugins, Presets, Cloud, Max-Abo, Einzelkauf — dazu mehrere Produktseiten, teilweise doppelte Funktionen und ständig neue AI-Begriffe. Das wirkt weniger wie eine klar strukturierte Fotosoftware und mehr wie ein Werkzeugkasten, der über Jahre immer weiter angewachsen ist.

Und genau das beschreibt ON1 eigentlich perfekt.

Denn hinter dem Chaos steckt ein durchaus spannender Ansatz:
ON1 versucht nicht einfach Lightroom zu kopieren. Die Software will gleichzeitig RAW-Entwicklung, Ebenenbearbeitung, kreative Effekte und moderne AI-Werkzeuge unter einer Oberfläche vereinen.

Das Problem ist nur:
Man merkt dem Programm an, dass diese Idee Stück für Stück entstanden ist.

Adobe trennt seine Werkzeuge klar:

  • Lightroom für Verwaltung und RAW

  • Photoshop für Retusche und Compositing

Capture One verfolgt ebenfalls eine klare Linie:
Fokus auf Farbkontrolle, Tethering und professionelle Fotografie.

ON1 dagegen wirkt eher wie:
„Warum nicht alles in ein einziges Programm packen?“

Das hat Vorteile. Gerade kreative Fotografen können sehr viel direkt innerhalb eines Projekts erledigen:

  • Maskieren

  • Hautretusche

  • Effekte

  • Composings

  • lokale Anpassungen

  • AI-Tools

  • Presets

  • Ebenenarbeit

Ohne ständig zwischen mehreren Programmen zu wechseln.

Und genau hier wird ON1 plötzlich interessant.

Denn viele Funktionen fühlen sich näher an Photoshop an als an klassische RAW-Konverter. Gleichzeitig bleibt die Software deutlich fotolastiger als ein reiner Pixel-Editor.

Das sorgt aber auch für die größte Schwäche:
Die Oberfläche wirkt oft überladen und nicht immer sauber organisiert.

Man hat ständig das Gefühl, dass ON1 gleichzeitig Profiwerkzeug, Kreativsuite und AI-Spielplatz sein möchte. Manche Funktionen sind hervorragend integriert, andere fühlen sich eher wie nachträglich angeflanschte Zusatzmodule an.

Dazu kommt die Performance. ON1 läuft nicht katastrophal, aber selten wirklich elegant. Gerade bei größeren RAW-Dateien oder komplexen AI-Masken merkt man schnell, dass hier sehr viel gleichzeitig passiert.

Und trotzdem:
Das Programm hat Charakter.

Während viele moderne Fototools inzwischen steril und austauschbar wirken, fühlt sich ON1 fast ein wenig experimentell an. Man entdeckt Funktionen, probiert Dinge aus und baut sich mit der Zeit seinen eigenen Workflow zusammen.

Genau deshalb polarisiert die Software auch so stark.

Die einen sehen darin eine kreative Alternative zu Adobe.
Die anderen ein überladenes Durcheinander ohne klare Linie.

Wahrscheinlich haben beide Seiten recht.

ON1 ist keine perfekt durchoptimierte Profi-Suite wie Capture One. Es ist eher ein ambitioniertes Hybrid-System für Fotografen, die gerne experimentieren und sich nicht komplett in ein starres Ökosystem einsperren lassen wollen.

Wer maximale Stabilität, absolute Klarheit und perfekte Performance sucht, wird mit Adobe oder Capture One vermutlich glücklicher.

Wer dagegen Lust auf eine kreative All-in-One-Lösung mit Ecken und Kanten hat, könnte mit ON1 überraschend viel Spaß haben.

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